ARBEITSMARKT

Lettinvest Arbeitsmarkt

Die Arbeitsverhältnisse in Lettland werden durch das Arbeitsrecht geregelt, das viele Aspekte des EU-Arbeitsrechts und der sozialpolitischen Richtlinien umsetzt, beispielsweise in Bezug auf Gleichbehandlung, Massenentlassung, Arbeits- und Ruhezeiten. Die Überwachung der Einhaltung des Arbeitsrechts wird von der staatlichen Arbeitsaufsichtsbehörde und Vertretern von Arbeitgebern und Gewerkschaften durchgeführt.

Die gesetzlichen Feiertage in Lettland:

  • 1. Januar – Neujahrstag
  • 2 Tage (jährlich bestimmt) – Karfreitag und Ostermontag
  • 1. Mai – Tag der Arbeit
  • 4. Mai –Tag der Verkündung der Unabhängigkeit
  • 23. und 24. Juni – Mitsommernachtstage
  • 18. November – Nationaler Unabhängigkeitstag
  • 24., 25. und 26. Dezember – Heiligabend und Weihnachten
  • 31. Dezember – Silvester

Zu Beginn des Jahres 2018 zählte Lettland 1,934 Millionen Einwohner, davon sind rund 50,8 % oder 0,982 Millionen Erwerbstätige (15-74 Jahre). Die wirtschaftliche Aktivität konzentriert sich hauptsächlich auf und um Riga, wo rund die Hälfte der Bevölkerung des Landes lebt. Viele der in den umliegenden Stadtteilen lebenden Menschen arbeiten in der Hauptstadt.

Im März 2019 lag die Arbeitslosenquote bei 7,1 %, was zwischen den Durchschnittsraten in der EU-28 (6,4 %) und der Eurozone (7,7 %) liegt. Die höchste Arbeitslosenquote in Lettland liegt bei den ungelernten Arbeitnehmern. In bestimmten Berufsgruppen herrscht allerdings Mangel an qualifizierten Fachkräften. Statistiken der Staatlichen Agentur für Arbeit zeigen, dass 2018 die meisten freien Stellen bei den Berufen mit geringer Qualifizierung  offen sind (LKW-Fahrer, Verkäufer, Köche), gefolgt von hochqualifizierten Berufen (Programmierer, Verkaufsleiter, Handelsvertreter) und Niedrigqualifizierten (Nebenbeschäftigte, Reinigungskräfte, Werkstattmitarbeiter). Dennoch war der größte Anstieg in der Nachfrage im Vergleich zum Vorjahr gerade in den Berufen der mittelmäßig ausgebildeten Gruppe zu verzeichnen, insbesondere in den großen Gruppen der Facharbeiter und Handwerker.
Quelle: Eurostat

Nach den Ergebnissen der Eurobarometer-Umfrage steht Lettland an zweiter Stelle unter den europäischen Staaten nach Prozentsatz der Einwohner, die neben ihrer Muttersprache mindestens eine Fremdsprache sprechen können: 95 % der Einwohner Lettlands sprechen eine Fremdsprache fließend, und 54 % mindestens zwei (1. Platz). 13 % können mindestens drei Fremdsprachen sprechen. Darüber hinaus geben 44 % der Befragten an, dass sie täglich eine Fremdsprache sprechen – am Arbeitsplatz oder privat.
Quelle: Eurobarometer

Die Mehrheit der Erwachsenen (59 %) kann Russisch, 60 % Englisch, 18 % der Bevölkerung sprechen Deutsch. Weitere beliebte Sprachen in Lettland sind Litauisch, Polnisch, Spanisch und Französisch.

Fachkräftepool für qualifizierte Talente

62% der Menschen in der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen sprechen mindestens zwei Fremdsprachen.

In den lettischen allgemeinbildenden Schulen werden 98,8 % der Schüler in Fremdsprachen unterrichtet. In der Grundschule (Klassen 1-6) werden 98,9 % der Schüler in Fremdsprachen unterrichtet, in der Grundschule (Klassen 7-9) – 98,2 %, in der Sekundarschule (Klassen 10-12) sogar 99,6 %. 43,1 % der Schüler, die Fremdsprachen lernen, lernen zwei oder mehr Fremdsprachen. Die Mehrheit der Schüler (97,6 %) lernt Englisch, gefolgt von Russisch (32,1 %). Deutsch lernen 10,8 % der Schüler, Französisch 2,1 %. Neben den bereits erwähnten Sprachen werden die Schüler auch in Arabisch, Dänisch, Estnisch, Italienisch, Japanisch, Hebräisch, Chinesisch, Latein, Litauisch, Norwegisch, Polnisch, Finnisch, Spanisch und Schwedisch unterrichtet.
Quelle: Zentrales Statistisches Amt Lettland

Gehälter in Lettland

Die monatliche Gehaltsspanne in Lettland reicht vom Mindestlohn in Höhe von 430 EUR brutto für Geringqualifizierte im verarbeitenden Gewerbe und im Einzelhandel bis hin zu 10.000 EUR brutto für Spitzenkräfte in den größten internationalen Unternehmen.

Nach Angaben des Statistischen Zentralamtes Lettlands betrug das durchschnittliche Monatsgehalt in Lettland im vierten Quartal 2018 1.042 EUR brutto, was 768 EUR netto entspricht. Die Gehälter in der Region Riga liegen etwa 10 % über dem lettischen Durchschnitt, aber in anderen Gebieten liegen sie 15-30 % unter dem Durchschnitt, wobei die niedrigsten in Lettgallen (der östlichen Region Lettlands) zu finden sind. Dies gilt nicht für hochqualifizierte Spezialisten und die gefragtesten Positionen, bei denen das Lohnniveau im ganzen Land ähnlich ist.

So können beispielsweise hochqualifizierte Mitarbeiter aus Riga für die Arbeit in regionalen Fabriken unter Beibehaltung eines angemessenen Gehaltsniveaus gewonnen werden.

Gehaltsumfragen bestätigen, dass das Gesamtlohnniveau in Lettland jährlich um 4-6 % steigt. Diese Durchschnittszahl ist jedoch nur ein Trend; der Lohnanstieg wird zunehmend an die individuellen Leistungsindikatoren der Mitarbeiter und die Gesamtergebnisse der Unternehmen gekoppelt. Daher rechnet man in der Zukunft mit wachsenden Gehaltsunterschieden auf verschiedenen Ebenen und Qualifikationen rechnen.

Sektoren mit dem höchsten Vergütungsniveau (überdurchschnittlich): IT/Telekommunikation, Pharmazie, Finanzdienstleistungen, Bauwesen, Großhandel (Repräsentanzen).

Im Vergleich zu anderen EU-Ländern ist das allgemeine Vergütungsniveau in Lettland niedrig. So ist es beispielsweise für ungelernte Arbeitsplätze drei- bis viermal niedriger als in westeuropäischen Ländern wie Deutschland und Frankreich, während Lettland bei der lohnbereinigten Arbeitsproduktivität vor den meisten EU-Mitgliedsstaaten liegt.

Boni

Die zusätzlichen Leistungen für Mitarbeiter unterscheiden sich je nach Branche und Position.

Der IT- und Finanzdienstleistungssektor gehört zu den großzügigsten Branchen mit Leistungen wie Krankenversicherung, bezahlte Gesundheits- und Sportaktivitäten, Telekommunikationsdienste, teilweise oder vollständig angebotene Verpflegung.

Die häufigste Leistung im verarbeitenden Gewerbe ist die Kranken-, Lebens- oder/und Unfallversicherung (je nach Branche und Profil) sowie die Übernahme der Transportkosten.

Weitere häufige Vorteile sind Rabatte auf Firmenprodukte oder -dienstleistungen, zusätzliche Feiertage, Pensionsfonds sowie Firmenwagen für Management- und Geschäftsentwicklungspositionen.

Potenzial an Jugendlichen auf dem Arbeitsmarkt

Im Allgemeinen beginnt die Mehrheit der lettischen Jugendlichen ihre Karriere bereits während des Studiums, so dass bereits zahlreiche junge, qualifizierte Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt tätig sind. Diese Menschen sind selbstbewusst, verfügen über gute Kommunikationsfähigkeiten und sind technologisch versiert. Die Teilnahme an Schüleraustauschprogrammen (z. B. Erasmus), Jugendorganisationen (z. B. AIESEC) und internationaler Kommunikation fördert die Fremdsprachenkenntnisse.

Bildung ist ein historisch gewachsener, traditioneller Wert in Lettland. Die Einschreibungsquoten an Universitäten gehören zu den höchsten der Welt. Obwohl humanitäre und soziale Studiengänge nach wie vor am beliebtesten sind, steigt das Interesse an den technischen und Ingenieurwissenschaften.

 

Absolventen mit Abschlüssen oder Qualifikationen von Universitäten und Fachhochschulen nach Fachgruppen, 2018

Die Gesamtzahl der Absolventen im Jahr 2018 betrug 15.363.

Sozialwissenschaften, Wirtschaft und Recht 36 %.

Gesundheit und Vorsorge 17 %

Engineering, Produktion, und Baugewerbe 13 %

Dienstleistungen 9 %

Geisteswissenschaften und Kunst 8 %.

Bildung 8 %

Naturwissenschaften, Mathematik und Informationstechnologien 7 %

Landwirtschaft 2 %

Quelle: Zentrales Statistisches Amt Lettland

 

Bei den Jugendlichen besteht ein erhöhtes Interesse am Erwerb einer Berufsausbildung.

Die wichtigsten Beweggründe für junge Menschen in Lettland sind derzeit:

  • Lern- und Weiterbildungsmöglichkeiten im Unternehmen;
  • Interessante Arbeitsinhalte und Arbeitsumfeld: moderne Technologien (insbesondere in der IT), Möglichkeiten zur Teilnahme an grenzüberschreitenden und bereichsübergreifenden Projekten;
  • Professionelles Management (Teamführung), das für Wachstum motiviert und inspiriert;
  • Arbeitsmöglichkeiten für Unternehmen, die als gute Arbeitgeber gelten. Mitarbeiter in Lettland schätzen Unternehmen, die ihre guten Arbeitgeberbewertungen nicht nur weltweit entwickeln, sondern auch in der Lage sind, ihre Werte an die lokalen Gegebenheiten anzupassen. Daher werden Management-Trainee und ähnliche Programme sowohl von globalen Unternehmen als auch von lokalen Organisationen häufig eingesetzt, um das talentierteste junge Potenzial in Lettland zu gewinnen.

Um junge Menschen ohne Erfahrung oder spezifische Kompetenzen für eine Beschäftigung in Riga zu gewinnen, gelten Gehälter ab 500 EUR netto als wettbewerbsfähig. Gehälter von ca. 700 EUR netto ist ein angemessenes Niveau für Fachkräfte aus bestimmten Bereichen (bis zu einer einjährigen Erfahrung), um in Riga zu arbeiten.

Mitarbeitersuche und Auswahl

Die Auswahl der Mitarbeiter in Lettland erfolgt durch den Leiter des Unternehmens, durch einen Mitarbeiter, der für die Personalabteilung verantwortlich ist, oder mit Unterstützung eines Personaldienstleisters. Fremde ausländische Unternehmen und Investoren nutzen meist die Dienste eines Personaldienstleisters oder veröffentlichen Stellenanzeigen in bekannten Jobportalen und führen eine interne Auswahl durch. Bei der Erstellung einer Stellenanzeige sind die arbeitsrechtlichen Anforderungen zu berücksichtigen: Diskriminierungen aufgrund von Alter, Geschlecht, ethnischer Herkunft usw. sind verboten, und der Name sowie die Kontaktdaten des Arbeitgebers oder der Personalvermittlungsagentur sind klar anzugeben.

Die Staatliche Arbeitsagentur (Nodarbinātības valsts aģentūra (NVA)) genehmigt den Geschäftsbetrieb von Personalvermittlungsunternehmen in Lettland. Eine Liste der lizenzierten Unternehmen ist auf der Webseite der NVA veröffentlicht: www.nva.lv. Rund zehn professionelle Personalvermittlungsunternehmen in Lettland bieten qualitativ hochwertige und preiswerte Personalbeschaffungsservices an, die größtenteils in internationalen Netzwerken angesiedelt sind. Darüber hinaus bietet eine Reihe von Unternehmen Personalvermittlungs- und Lohnbuchhaltungsdienstleistungen an.

Die Auswahl der Kandidaten dauert 4-6 Wochen, je nach Art der Stelle und Dienstalter.

Aufgrund des relativ engen lettischen Arbeitsmarktes können bestimmte branchenspezifische Profile oder eine Kombination von erforderlichen Kompetenzen nur von wenigen Personen im ganzen Land wahrgenommen werden. Um einen Fachmann mit geringer Spezialisierung anzuwerben, müssen Arbeitgeber daher möglicherweise einen Headhunter oder junge talentierte Fachkräfte intern ausbilden. Es gibt bereits eine Reihe ähnlicher positiver Beispiele, bei denen Unternehmen spezifische Kompetenzschulungen für ihre Mitarbeiter durchgeführt haben, wie z. B. Fremdsprachen, Arbeiten mit bestimmten IT-Systemen usw. Dieser Ansatz fördert eine positive Arbeitgeberbewertung und erhöht die Motivation der Mitarbeiter.