Neue Wirtschaftszahlen für Lettland

Aufgrund der jüngsten weltwirtschaftlichen Entwicklungen, einschließlich der Auswirkungen der COVID-19-Pandemie, hat die Lettische Zentralbank ihre Prognosen für das BIP-Wachstum im Jahr 2020 von -6,5% (März 2020) auf -7,5% und die Inflation von 0,5% (März 2020) auf 0% nach unten korrigiert. Es wird erwartet, dass das Wirtschaftswachstum im Jahr 2021 wieder auf 6,7% ansteigt und die Inflationsrate auf 0,2% anzieht.

Trotz aller Pläne zur Wiederbelebung der Volkswirtschaften in vielen Ländern bleibt die Unsicherheit bezüglich Dauer und Umfang der Corona-Beschränkungen hoch.

Für das lettische BIP wurde im ersten Quartal ein mäßiges Ergebnis verzeichnet, die Vertrauensindikatoren der Industrie haben sich deutlich verschlechtert, und auch die Aussichten für die Auslandsnachfrage sind schwächer als zu Beginn der COVID-19-Krise.

Beschränkungen im Dienstleistungsbereich (Absage von öffentlichen und privaten Veranstaltungen) sowie Reiseverbote bewirken einen erheblichen Rückgang des Konsums, was zusätzlich durch sinkende Einkommen und ein vorsichtigeres Ausgabeverhalten der Haushalte verstärkt wird.

Gleichzeitig reduzieren schwächere Aktivitäten auf den Auslandsmärkten die Warenexporte. Trotz positiver Regierungsentscheidungen zur Erhöhung von öffentlichen Investitionen ist laut Zentralbank mit einem Investitionsrückgang zu rechnen.

Die krisenbedingten Stützungsmaßnahmen der Regierung für Unternehmen und Haushalte sowie die geplanten öffentlichen Investitionen zur Ankurbelung der Wirtschaft haben das Haushaltsdefizit auf über 7% des BIP ansteigen lassen.

Die Europäische Kommission hat die Regeln für das Haushaltsdefizit während der Corona-Krise gelockert und damit eine höhere Flexibilität bei der Bewältigung der Krisenfolgen ermöglicht. Lettland ist dadurch weiterhin in der Lage, Kredite an den Auslandsmärkten aufzunehmen, wodurch die Staatsverschuldung auf fast 50% des BIP ansteigt.

Frühere Entwicklungs-Prognosen über den Zeitraum bis 2022 können nicht eingehalten werden. Das Erreichen des Vorkrisenniveaus ist erst Ende 2021 einigermaßen realistisch, dann jedoch mit erheblichen Unterschieden zwischen den einzelnen Sektoren.

Aktuelle Daten deuten darauf hin, dass das Baugewerbe zu den Sektoren gehört, die weniger stark beeinträchtigt sind. Auch die Nachfrage nach grundlegenden Gütern (z.B. landwirtschaftlichen Produkten) ist stabiler, was ebenso für den Bedarf an neuen IT-Lösungen gilt.

Stark betroffen sind die Bereiche Gastgewerbe sowie Kultur- und Unterhaltungsveranstaltungen mit hohen Besucherzahlen, die sich nur allmählich wieder konsolidieren. Auch der Verkehrssektor wird sich langsamer erholen, das Wachstum in diesen Branchen wird das frühere Niveau noch auf längere Sicht unterschreiten.

Die restriktiven Maßnahmen zur Bekämpfung der COVID-19-Pandemie wirken sich unmittelbar auf den Arbeitsmarkt aus, da die Unternehmen gezwungen sind, Personal abzubauen. Es wird jedoch erwartet, dass der Anstieg der Arbeitslosigkeit geringer ausfallen wird als während der globalen Finanzkrise, da aktuell die Regierung Unternehmen und Einzelpersonen stärker unterstützt.

Die vollständigen Informationen der Zentralbank sowie verschiedene Entwicklungsszenarien finden Sie hier:

https://www.bank.lv/en/tasks/task-monetary-policy/forecasts