Prognosen der lettischen Zentralbank

Unter Berücksichtigung der jüngsten globalen Wirtschaftsentwicklungen, die Auswirkungen von COVID-19 eingeschlossen, hat die lettische Zentralbank ihre Prognose für das BIP-Wachstum für 2020 auf -6,5% und die Inflationsprognose auf 0,5% (2,6% und 2,4% im Vergleich zu den Voraussagen vom Dezember 2019) nach unten revidiert.

Darüber hinaus könnten die Prognosen angesichts der hohen Unsicherheit später angepasst werden, falls sich die Fortschritte bei der Begrenzung der weltweiten Ausbreitung von COVID-19 verzögern sollten und das Wirtschaftswachstum in der zweiten Jahreshälfte nicht wieder anspringt.

Nach Einschätzung der Ökonomen hat die rasche Ausbreitung von COVID-19 neben hoher Unsicherheit zu einer erheblichen Verschlechterung der weltweiten Marktstimmung sowie zu großen Störungen der Wirtschaft geführt. Die Wahrscheinlichkeit einer globalen Rezession hat sich erhöht.

Die weltwirtschaftlichen Auswirkungen werden weitgehend von der Ausbreitung des Coronavirus, also dem Umfang und der Dauer der Beschränkungen zur Bekämpfung des Virus abhängen; diese negativen Auswirkungen werden teilweise durch national-fiskalpolitische Initiativen in Verbindung mit der hochgradig akkommodierenden Geldpolitik der Zentralbanken ausgeglichen werden.

Der IWF rechnet in diesem Jahr mit einem negativen Weltwirtschaftswachstum und geht davon aus, dass der Rückgang mindestens die Größenordnung einer globalen Finanzkrise erreichen wird. Darüber hinaus reichen die jüngsten Marktprognosen für das Wachstum der Eurozone von -5% bis -1,7%.

Die gezielten Unterstützungsmaßnahmen der lettischen Regierung sind von entscheidender Bedeutung, um die Folgen der Krise abzumildern, so dass die kurzfristigen Geschäftsunterbrechungen möglichst keinen signifikanten Verlust der wirtschaftlichen Kapazität verursachen.

Die Vorschriften der Europäischen Union über staatliche Beihilfen gestatten es den Mitgliedstaaten, Unternehmen schnell und wirksam finanziell zu unterstützen. Lettland hat seine Staatsverschuldung auf einem relativ niedrigen Niveau gehalten; daher ist die Regierung in der Lage, der Wirtschaft in der aktuellen Krise die notwendige Unterstützung zu gewähren.

Laut lettischer Zentralbank unterscheidet sich die derzeitige Situation grundlegend von der Krise 2008-2009, als Ausgabenkürzungen erforderlich waren. Diesmal ist Lettland dank der Einhaltung der Haushaltsdisziplin während der vergangenen Jahre, der ausgewogenen wirtschaftlichen Entwicklung und des Fehlens makroökonomischer Ungleichgewichte in der Lage, Kredite aufzunehmen, um die Wirtschaft zu unterstützen.

Stark betroffen sind in Lettland folgende Bereiche:

  • Veranstaltungen/Versammlungen
  • Beherbergung und Verpflegung
  • Erholungs- und Unterhaltungsdienstleistungen
  • Transportservices/Güterverkehr
  • Handel
  • Immobilien- und Bausektor

Die Inflation dürfte laut Zentralbank insbesondere in der zweiten Jahreshälfte auf nahezu Null zurückgehen (durchschnittlich 0,5 % im Jahr 2020), da der Rückgang der Ölpreise infolge der Ausbreitung des Coronavirus und des prognostizierten weltweiten Nachfragerückgangs zunächst einen bemerkenswerten preisdämpfenden Effekt hatte, der sich später im März aufgrund der sogenannten Ölpreiskriege noch verstärkte.

Die Ökonomen der Zentralbank erwarten einen Rückgang der Inlandspreise als Folge der gedämpften Wirtschaftstätigkeit und des Einkommensrückgangs. Obwohl ein Aufwärtsdruck auf die Preise von Industriegütern aufgrund der Substitution der lettischen Importe aus China und der Unterbrechungen der Lieferketten zu beobachten war, ist es unwahrscheinlich, dass dadurch der allgemeine Preisrückgang ausgeglichen werden kann.

Ausführlichere Informationen zu den makroökonomischen Prognosen können Sie auf der Website der Lettischen Zentralbank unter: https://www.macroeconomics.lv/ finden